 
anabas Verlag
31 Jahre Anabas - manchmal staunen wir selber, daß wir mit diesem kleinen Amphibion durch alle Widrigkeiten der Zeitläufe gekommen sind. Aber der "anabas scendens" ist als Kletterfisch nicht nur im Wasser zu Hause, sondern überlebt auch auf dem Trockenen. So war er das richtige Synonym für einen kleinen Verlag, der sich 1966 in Bergen-Enkheim, heute ein Stadtteil Frankfurts, gründete. Angefangen hat das Ganze mit einem handcolorierten Gedichtband, es folgten mit leuchtfarbigen Gouachen von Irene Peschick illustrierte Gedichte des Schweizer Autors Peter Lehner, dann ging es weiter mit der konkreten Poesie von Klaus Bremer, den Moritaten und Collagen von Ror Wolf und - noch zu Lebzeiten des Autors- mit politischen Satiren und Dada-Erinnerungen von Raoul Hausmann. Die in dieser Phase außerdem entstandenen Literatur-Plakate, die dreidimensionalen "Busen-Bücher" und Kalender-Objekte werden heute als Liebhaberstücke gehandelt.
In den 70er Jahren erschien im Verlag eine ganze Anzahl von Bänden zur Medien-Analyse und - kritik, zur Ästhetik des "Dritten Reiches" sowie wichtige Beiträge zu der sich damals aus den konservativen Fesseln befreienden Kunstpädagogik. Auch die Zeitschrift ,"kritische berichte" kam damals bei uns heraus, begleitet von etlichen Publikationen, die neue Positionen in der Kunstgeschichte markierten. Die Zusammenarbeit mit dem Berliner Werkbund-Archiv begann ebenfalls Anfang der 70er Jahre und hat zu einer stattlichen Reihe von rnittlerweile 26 Bänden zur Alltagskultur geführt- "Z.B. Schuhe", "Ströme und Strahlen", "Künstliche Kälte", "Wa(h)re Kunst", "Art Deco in Deutschland", um nur einige zu nennen. Mit den Publikationen des Internationalen Forums für Gestaltung Ulm (IFG) begann 1992 eine zweite Buchreihe, die jährlich um einen Titel wächst. Anfang der 80er Jahre kam mit Roland Günters erfolgreichem Band "Toskana" das erste Anabas-Kulturreisobuch heraus. Sieben weitere Reisebücher folgten; die Marktmacht der großen Verlage hat uns aber zur Beendigung dieser Reihe gezwungen.
Neben dem breitgefächerten 'normalen' Programm gab und gibt es regelmäßig editorische Besonderheiten, wie zum Beispiel den umfangreichen Berlin-Band "Das Lachen DADA's" von Hanne Bergius (Dada bildet ohnehin einen kleinen Schwerpunkt bei uns) oder "Benjaminiana" von Hans Puttnies und Gary Smith, kurz nach Erscheinen bereits "Buch des Monats" und von der Stiftung Buchkunst unter die schönsten Bücher des Jahres gewo/oohlt.
Bibliophile Rarito/ooten sind auch die einzelnen Bo/oonde von Ror Wolfs Enzyklopädie für unerschrockene Leser. Der vierte und abschließende Band, "RaoulTranchirers Mitteilungen an "Ratlose" illustriert mit zahlreichen Collagen des Autors, ist soeben erschienen.
Typografisch-o/oosthetische Experimente haben wir in letzter Zeit zweimal mit Absolventen der HBK Braunschweig gemacht. Sowohl die "152 Sprichwörter" von Paul Eluard und Benjamin Peret wie die "Fingerübungen zu Texten von Ernst Jandl" fanden große Beachtung.
Seit 21 Jahren erscheint jedes Jahr im April unser Lehrerinnen- & Lehrerkalender. Dieses seinerzeit von einer Gruppe Kölner Lehrer/innen gegen den öden Sparkassenkalender ins Leben gerufene Medium erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit bei einer Vielzahl von Pädagog/innen, besonders, wie uns immer wieder dankbar berichtet wird, als Lektüre in langweiligen Schulkonferenzen.
Zwischen Alltagskultur und Kulturgeschichte, Literatur und Kunst, typografischen Experimenten und Büchern zu Fragen der Gestaltung sehen wir also die Spur unseres Programms, und wir hoffen, daß wir sie - gemeinsam mit unseren Leserinnen und Lesern - auch in den kommenden Jahren weiter verfolgen können.
http://www.txt.de/anabas/
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