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Archiv 1/2012

Boualem Sansal
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2011

Gregor Sander
"Winterfisch"

Sherko Fatah
"Ein weißes Land"

Archiv / Programmarchiv / 31.01.2012 Boualem Sansal


Programm-Archiv


Dienstag, 31.01.2012, 19.30 Uhr // Literaturhaus Hannover

Boualem Sansal
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2011

Lesung und Gespräch mit dem Autor
Moderation und Übersetzung: Sigrid Brinkmann
Lesung des deutschen Textes: Moritz Dürr (Schauspieler, Braunschweig)

Bereits 2003 und 2009 war Boualem Sansal mit seinen Büchern Der Schwur der Barbaren und Das Dorf des Deutschen bei uns zu Gast, und wir freuen uns sehr mit dem Autor und dem Merlin Verlag, bei dem die Werke des algerischen Schriftstellers auf Deutsch erscheinen, dass Sansal während der letzten Frankfurter Buchmesse mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2011 ausgezeichnet wurde!

In seiner Laudatio zur Preisvergabe erklärte Peter von Matt, dass Literatur eine langsame Macht sei, die nicht explosionsartig, sondern eher wie eine Wurzel den Fels gesellschaftlicher Einengung sprengen könne. Sansals Bücher sind von dieser Energie, sie sind geistreich, literarisch und zugleich unbestreitbar politisch.
"Das Fehlen von Freiheit ist ein Schmerz, der einen auf Dauer verrückt macht", so erklärt Sansal auch, warum er als Direktor des algerischen Industrieministeriums 1999, in seinem 50. Lebensjahr, zum Schriftsteller wurde und sämtliche Sicherheiten preisgab, von den Offiziellen in Politik und Gesellschaft seither verachtet und von den Islamisten bedroht.
Während die arabische Welt seit dem Frühjahr 2011 revolutionäre Umwälzungen erlebt, fand in Sansals Heimatland Algerien schon 1988 eine Revolution statt – doch dann gewannen Islamisten und Militär an Macht zurück, ein 15 Jahre andauernder Bürgerkrieg brach aus, und heute ist das algerische Regime repressiver als das in Syrien oder Libyen.

Obwohl Boualem Sansal aus dem Staatsdienst entlassen und seine Bücher auf den Index gesetzt wurden, gehört er zu den wenigen Intellektuellen Algeriens, die auf Exil sowie Pseudonym verzichten, in der Heimat ausharren und dort unerschrocken Kritik an den Verhältnissen üben. Sein erster, 1999 in Paris veröffentlichter Roman Der Schwur der Barbaren wurde in Frankreich mit nahezu allen relevanten Literaturpreisen ausgezeichnet. Schon darin und in seinem gesamten noch folgenden Werk – etwa in Das verrückte Kind aus dem hohlen Baum, Harraga, Postlagernd: Algier oder Das Dorf des Deutschen – setzt sich Sansal auf bisher ungehörte Weise mit der traumatischen Situation in Algerien auseinander, mit dem Bürgerkrieg, der Rolle der Frauen, der noch ausstehenden wahrhaften Demokratie. Seine Bücher verbinden die Tradition des europäischen Romans mit der Erzählform der arabischen Welt und beinhalten stets ein so hartnäckiges wie leidenschaftliches Plädoyer für Menschlichkeit, Respekt und für das freie Wort.

Aus seinen Büchern, die auf diese Weise die aktuellen Demokratisierungsbewegungen in der arabischen Welt mitbegleiten, liest der Autor und spricht darüber mit der Romanistin und Deutschlandradio Kultur-Moderatorin Sigrid Brinkmann.


Boualem Sansal, geb. 1948 in Téniet el Had in Algerien, war bis zu seiner Entlassung 2003 Direktor des algerischen Industrieministeriums. Erst im Alter von 50 Jahren begann die literarische Karriere des promovierten Ökonoms. Heute gilt Sansal als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Schriftsteller in französischer Sprache. Der Merlin Verlag entdeckte ihn für Deutschland. Er lebt mit seiner Familie in Boumerdès bei Algier.

Sigrid Brinkmann, geb. 1958, studierte Romanistik und Germanistik in Montpellier, Paris und Berlin. Seit 1987 arbeitet sie als freie Journalistin für ARD-Hörfunkanstalten und als Moderatorin beim Deutschlandradio Kultur (Fazit, Lesart).

Boualem Sansal
Foto:C Gallimard

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