Archiv / Programmarchiv / 04.06.2010 Weltweite Lesung für den chinesischen Autor Liao Yiwu
Programm-Archiv
Schauspielhaus Hannover, Literaturhaus Hannover, Literarischer Salon Freitag, 04.06.2010, 20.00 Uhr // open-air im Hof (bei schlechtem Wetter im Künstlerhaus)
Weltweite Lesung für den chinesischen Autor Liao Yiwu Weltausstellung Prinzenstraße
mit zahlreichen Autorinnen und Autoren und Ensemblemitgliedern des Schauspielhauses
Am 4. Juni 2010 jährt sich das Massaker am Tian’anmen-Platz in Beijing im Jahr 1989, bei dem nach Schätzungen des Roten Kreuzes 2.600 Menschen den Tod fanden. Über das Ereignis selbst, dem eine Demokratiebewegung vorausging, wird in den offiziellen Medien in China nichts publiziert, die Zensur wurde noch am 20. Jahrestag des Geschehens bis in die Web-2.0-Internetplattformen hinein enorm verschärft. Das verordnete Schweigen in China, das auch die Phase der Kulturrevolution betrifft, die enorm hohe Zahl von Todesurteilen in diesem Land und der Umgang mit Tibet müssen von den zivilgesellschaftlichen Instanzen demokratischer Gesellschaften umso deutlicher kommuniziert werden.
Am 4. Juni wird deshalb aus folgenden Werken des chinesischen Schriftstellers Liao Yiwu gelesen: Für einen zum Tode Verurteilten; Zum Tode Verurteilte sprechen über ihre Hinrichtung; Für ein Lied und hundert Lieder; Das Vaterland der Gefangenen; Vor Gericht; Die Totenrufer; Der Trauermusiker; Die Familie eines Opfers des 4. Juni; Der Klomanager; Der vierte Juni.
Es lesen unter anderem HARTMUT EL KURDI, WOLFRAM HÄNEL, GABRIELA JASKULLA, HANNA LEGATIS, HELGE LIMBURG, CHRISTOPH LINDNER und LAETITIA MAZZOTTI, HARRIE MÜLLER-ROTHGENGER, MICHAEL PELKE, RENATE STEINHOFF und ENSEMBLEMITGLIEDER des SCHAUSPIEL HANNOVER!
Liao Yiwu ist einer der Autoren, die in China trotz internationaler Erfolge nicht publiziert werden, weil sie in den Augen der Machthaber die »Verbreitung konterrevolutionärer Propaganda mit ausländischer Hilfe« ausüben. Selbst sein Name darf nicht genannt werden. Von 1990 bis 1994 war er aufgrund seiner literarischen und gesellschaftspolitischen Aktivitäten im Gefängnis und wurde nur aufgrund internationalen Drucks vorzeitig aus der Haft entlassen. Seine Interviews mit Underdogs (Interviews with People from the Bottom Rung of Society) und seine Gedichte (wie Massacre und die Anthologie The Fall of the Holy Temple) sind in den vergangenen Jahren im Ausland publiziert worden, u. a. in renommierten Verlagen und Zeitschriften wie Lettre International (Deutsche Ausgabe) und der New Yorker Zeitschrift The Paris Review.
Die chinesischen Behörden ließen Liao Yiwu, obwohl er inzwischen einen Reisepass besitzt, weder zur Frankfurter Buchmesse im Oktober 2009 noch zur lit.cologne ausreisen. Das ilb sowie das Harbour Front Literaturfestival in Hamburg haben ihn nun für die Festivals im September eingeladen. Wir können nur hoffen, dass die chinesischen Behörden ihm das fundamentale Recht zur Ausreise und die Wiedereinreise nach China gewähren werden.
Ziel der weltweiten Lesung soll sein, das Werk des Autors einer breiteren Leserschaft bekannt zu machen, an das Massaker von 1989 zu erinnern und China im Blick auf die Menschenrechte dringend zu mahnen.
Aus Anlass des dritten Jahrestages des Kriegsbeginns im Irak hatten das internationale literaturfestival berlin und die Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik am 20. März 2006, dem Jahrestag der politischen Lüge, erstmals zu einer weltweiten Lesung von Eliot Weinbergers - der am 04. Mai bei uns zu Gast war - What I Heard about Iraq aufgerufen. Es folgten weltweite Lesungen nach der Ermordung Anna Politkowskajas, im Vorfeld der Olympischen Spiele in China, gegen die Regierungsführung Robert Mugabes, in Gedenken an Mahmud Darwisch und zur Unterstützung der demokratischen Opposition im Iran. Bis zu hundert Institutionen, darunter auch Radio- und Fernsehsender, beteiligten sich an den weltweiten Lesungen auf allen Kontinenten oder berichteten.
Der Aufruf zur Lesung für Liao Yiwu wurde bereits von vielen Schriftstellerinnen, Autoren, Journalisten, und Verlegern unterzeichnet:
Héctor Abad, Kolumbien; Eugenijus Ališanka, Litauen; Martin Amanshauser, Österreich; Juri Andruchowytsch, Ukraine; Shauna Singh Baldwin, Kanada/USA; Russell Banks, USA; Mohammed Bennis, Marocco; Peter W. Bernstein, USA; Hans Christoph Buch, Deutschland; Judith Butler, USA; Viktor Canosinaj, Albanien; Daniella Carmi, Israel; Giovanni Celati, Italien; Vikram Chandra, Indien; Noam Chomsky, USA; John M. Coetzee, Südafrika; Achmat Dangor, Südafrika; Ariel Dorfman, Chile; Ferida Durakovic, Bosnien-Herzegowina; Sezer Duru, Türkei; Péter Esterházy, Ungarn; Nuruddin Farah, Somalia; Lilian Faschinger, Österreich; Julia Franck, Deutschland; E.R. Frank, USA; Wolfram Frommlet, Deutschland; William H. Gass, USA; Assaf Gavron, Israel; Jochen Gerz, Deutschland; Nadine Gordimer, Südafrika; Georgi Gospodinov, Bulgarien; Dieter M. Gräf, Deutschland; David Grossman, Israel; Ha Jin, USA/China; Ulla Hahn, Deutschland; Nikolaus Hansen, Deutschland; Chenjerai Hove, Simbabwe; Stanchina Kanta Tanlukdar, Deutschland/Indien; Michael Köhler, Deutschland; Ursula Krecher, Deutschland; Norbert Kron, Deutschland; Goretti Kyomuhendo, Uganda; Michael Lentz, Deutschland; Peter Lohmann, Deutschland; Chiara Macconi, Italien; Jamal Mahjoub, Großbritannien; Cosmin Manolache, Rumänien; Javier Marías, Spanien; Émile Martel, Kanada; Manfred Maurenbrecher, Deutschland; Robert Menasse, Deutschland; Amanda Michalopoulou, Griechenland; Péter Nádas, Ungarien; Desiderio Navarro, Kuba; Christiane Neudecker, Deutschland; Nuala Ni Dhomhnaill, Irland; Thorsten Palzhoff, Deutschland; Kornelijus Platelis, Litauen; Francine Prose, USA; Holly-Jane Rahlens, Deutschland; Mani Rao, Indien; Moritz Rinke, Deutschland; Patrick Roth, Deutschland; Alberto Rúy-Sanchez, Mexiko; Almantas Samalavicius, Litauen; Sapphire, USA; Alka Saraogi, Indien; Joachim Sartorius, Deutschland; Lorenz Schröter, Deutschland; Lutz Seiler, Deutschland; Jorge Semprún, Spanien; Eduardo Sguiglia, Argentinien; Nicholas Shakespeare, Großbritannien; Tzveta Sofronieva, Bulgarien/Deutschland; Wolfgang Sofsky, Deutschland; Rebecca Solnit, USA; Peter Stamm, Schweiz; Ilija Trojanow, Deutschland/Bulgarien; Jane Urquhart, Kanada; Mario Vargas Llosa, Peru; Abdourahman A. Waberi, Dschibuti/Frankreich; Richard Wagner, Deutschland; Cécile Wajsbrot, Frankreich; Michael Warschawski, Frankreich; Renate Welsh-Rabady, Österreich; Ruben Wickenhäuser, Deutschland; Herbert Wiesner, Deutschland; Stefan Ludmilla Wieszner, Deutschland
Schauspielhaus Hannover
http://staatstheater-hannover.de
|
 |
| Liao Yiwu |
Liebe Freunde des Literaturhauses,
auch das HANNAH-ARENDT-STIPENDIUM braucht Ihre Hilfe. Bitte spenden Sie dafür, daß ein mit Zensur belegter und verfolgter Autor für zwei Jahre in Ruhe und Sicherheit hier in der Landeshauptstadt arbeiten kann.
Konto: 200 123
BLZ: 250 501 80 Sparkasse Hannover
Kontoinhaber: Literaturbüro Hannover e.V.
Für eine Spendenbescheinigung geben Sie bitte Ihre Adresse an.
|
|