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Programm / Literatur im Künstlerhaus / 5/08


Mittwoch, 07.05.2008, 19.30 Uhr // Literaturetage im Künstlerhaus

Marcel Beyer
Kaltenburg

Moderation: Olaf Kutzmutz

In seinem Roman Flughunde, mit dem Marcel Beyer 1995 bekannt wurde, der inzwischen zur Schullektüre und schon fast zum Klassiker avancierte, erzählte er vom Dritten Reich und Massensuggestion. Nun hat Beyer einen neuen großen Roman geschrieben, in dem er noch einmal deutsche Geschichte gegenwärtig macht und, wie FAZ und SZ meinen, sogar noch überzeugender als in Flughunde. In Kaltenburg verwebt Beyer Persönlichkeiten und ihre Karrieren, Wissenschaft und Geschichte vom Nationalsozialismus über die DDR bis zur Wendezeit gekonnt zu einer Prosa feinster Andeutungen.

Es ist die - an Konrad Lorenz angelehnte - Geschichte des österreichischen Ornithologen Ludwig Kaltenburg, erzählt von dessen Schüler Hermann Funk. Als Elfjähriger flüchtet der Ich-Erzähler mit seinen Eltern nach Dresden. Dort macht ihn die Bombennacht im Februar 1945, als die Vögel brennend vom Himmel fallen, zum Waisen und prägt sein Leben: Er wird Ornithologie studieren und bei Kaltenburg, seinem Ersatzvater, arbeiten, der in Dresden ein eigenes Institut gegründet hat und sich dort internationales Renommee erwirbt. So wird Funk zugleich zum stillen Beobachter eines Wissenschaftlers, der der Tierwelt wie den Menschen ihre Geheimnisse zu entlocken sucht, die bedrohlichen Abgründe des eigenen Lebensweges aber nicht preisgibt. Nach dem Mauerbau 1961 verschwindet Kaltenburg wieder nach Wien, während Funk noch die unterschiedlichen Stadien der DDR und deren Ende erlebt.

Ob es um Marcel Beyers Beobachtungsgabe, seine Sprache oder um seine Fähigkeit geht, Vergangenes für den Leser gegenwärtig werden zu lassen die Kritiken zu seinem jüngsten Buch verwenden hierfür immer wieder einen Begriff: meisterlich!

Marcel Beyer, geb. 1965 in Tailfingen, studierte Germanistik und Anglistik. Er arbeitete als Lektor bei der Literaturzeitschrift Konzepte und schrieb für die Musikzeitschrift Spex. Für seine Lyrikbände und Romane ist er vielfach ausgezeichnet worden, u.a. mit dem Uwe-Johnson-Preis 1997, dem Heinrich-Böll-Preis 2001, dem Friedrich-Hölderlin-Preis 2003 und dem Erich-Fried-Preis 2006. Seit 1996 lebt er in Dresden.

Olaf Kutzmutz, geb. 1965 in Gelsenkirchen-Schalke, studierte Germanistik in Münster und promovierte über Christian Dietrich Grabbe. Seit 1999 leitet er den Fachbereich Literatur der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel.

Eintritt: 7,- / ermäßigt 5,-

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