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Programm / Literatur im Künstlerhaus / 6/09


Donnerstag, 11.06.2009, 19.30 Uhr // Literaturetage im Künstlerhaus
Literatur International – Algerien

Boualem Sansal
„Das Dorf des Deutschen“

Moderation und Übersetzung: Prof. Dr. Ekkehard Eggs
Lesung des dt. Textes: Christian Erdmann (schauspielhannover)

„Ich sage mir, dass das unmöglich ist, aber wenn ich sehe, was die Islamisten bei uns und anderswo tun, sag ich mir, dass sie, falls sie eines Tages an der Macht sind, die Nazis übertreffen werden.“ (aus: Das Dorf des Deutschen)

Boualem Sansal gehört zu den wenigen Intellektuellen Algeriens, die noch in der Heimat leben und dort unerschrocken Kritik an den Verhältnissen üben. Laut der Organisation "Reporter ohne Grenzen" belegt Algerien international einen der hinteren Plätze in puncto Meinungsfreiheit. Kritische Bücher können algerische Schriftsteller nach wie vor nur im Ausland veröffentlichen. Doch obwohl 2003 auch Sansals Buch Postlagernd: Algier in Algerien verboten und er selbst wegen seiner kritischen Haltung aus dem Staatsdienst entlassen wurde, verzichtet Sansal weiterhin auf das Exil oder den Schutz eines Pseudonyms.

Dabei hat auch sein neuester Roman keine Chance, in Algerien veröffentlicht zu werden: Das Dorf des Deutschen ist die – von historischen Fakten inspirierte – Geschichte des in Algerien lebenden Deutschen Hans Schiller und seiner beiden Söhne Rachel und Malrich, die in Frankreich aufgewachsen und dort geblieben sind. Als die Eltern in Algerien bei einem Attentat der Islamisten sterben, müssen die Brüder erfahren, dass ihr Vater, den sie als vielgeachteten Held des algerischen Unabhängigkeitskampfes kannten, früher ein SS-Offizier in Deutschland war.
Rachel, der ältere Bruder, der sich in Frankreich ein Leben mit Arbeit, Frau und Haus aufgebaut hat, zerbricht an dieser Schuld. Der jüngere, arbeitslose Malrich aber nimmt die Schuld des Vaters nicht als die seine an, sondern beschließt, im Wissen darum in der Gegenwart verantwortungsvoll zu handeln. Er, der in seiner Pariser Vorstadt tagtäglich das Versagen der westlichen Integrationspolitik und die subtile Indoktrinierung durch die Imame erlebt, kann gar nicht anders, als zu erkennen, wie die Unmenschlichkeit immer wieder instrumentalisiert wird: sei es von den Militärregimes in Nordafrika, den islamistischen Netzwerken – oder den westeuropäischen Staaten, wenn es um den Umgang mit unerwünschten Migranten geht... Mit Das Dorf des Deutschen legt Sansal einen spannenden Roman über Schuld und Verantwortung vor, der vom NS-Deutschland nach Algerien und bis in die EU-Gegenwart reicht.

Boualem Sansal, geb. 1948 in Téniet el Had in Algerien, war bis zu seiner Entlassung im Frühjahr 2003 Direktor des algerischen Industrieministeriums. In Frankreich gilt er als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Schriftsteller und wurde für seine Romane vielfach ausgezeichnet, u.a. für Das Dorf des Deutschen mit dem Grand Prix RTL-Lire und dem Prix Louis-Guilloux.

Ekkehard Eggs, geb. 1943, ist Professor für Romanische Philologie (Sprach- und Kulturwissenschaft) an der Leibniz Universität Hannover.

Eintritt: 7,- / erm. 5,- Euro

Weitere Informationen:

Boualem Sansal
Homepage von Boualem Sansal
http://www.boualem-sansal.de

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