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Programm / Literatur im Künstlerhaus / 5/10


Dienstag, 11.05.2010, 19.30 Uhr // Literaturhaus
NDRkultur – Podium

"Böll adieu?"
mit Tilman Krause, Ralf Schnell und Peter Franke

Moderation: Stephan Lohr

Heinrich Böll, 1917 in Köln geboren, zählt zu den bedeutendsten deutschen Literaten der Nachkriegs-zeit. In seinen Werken – etwa in "Und sagte kein einziges Wort" (1953), "Ansichten eines Clowns" (1963), "Gruppenbild mit Dame" (1971) oder "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (1974) – erzählte er von Schicksalen aus dem Kriegs- und dem Nachkriegsdeutschland, von katholischer Doppelmoral und sozialer Ungerechtigkeit in der jungen Bundesrepublik und wurde so zum literarischen Chronisten deutscher Geschichte. Dafür erhielt Böll nicht nur zahlreiche Auszeichnungen – u.a. 1967 den Büchner-Preis und 1972 den Nobelpreis für Literatur – , sondern er übte mit seinen Büchern, politisch engagierten Reden und Essays überdies großen moralischen Einfluss auf das öffentliche Leben der Bundesrepublik aus.
Als Heinrich Böll im Juli 1985 im Alter von 68 Jahren starb, löste sein Tod große Anteilnahme aus. Das Land Nordrhein-Westfalen ließ für den Ehrenbürger der Stadt Köln halbmast flaggen, Bundespräsident Richard von Weizsäcker gehörte ebenso zu den Teilnehmern der Beerdigung wie Christa Wolf, Carl Amery, Günter Grass, Dieter Hildebrandt und Günter Wallraff.

Heute, 25 Jahre später, ist Böll dagegen kaum noch gegenwärtig. "Wo ist Böll? Die Deutschen haben ihren Nobelpreisträger vergessen", titelte im August 2007 das ZEITmagazin. Auf der anderen Seite vervollständigt der Verlag Kiepenheuer & Witsch in diesem Jahr die 27-bändige, ausführlich kommentierte Kölner Ausgabe des Gesamtwerks, die einlädt, Heinrich Böll wiederzuentdecken, und die seine Texte für die Zukunft sichert.

Ralf Schnell, Sprecher der Herausgeber der Kölner Ausgabe, Tilman Krause, Literaturredakteur bei Die Welt, der Bölls literarischer Leistung kritisch gegenübersteht, und Stephan Lohr, Leiter der Literaturredaktion von NDR Kultur, nehmen den 25. Todestag zum Anlass, an Böll zu erinnern und seine Bedeutung für die Gegenwart auszuloten.
Der von großen Theaterbühnen und aus zahlreichen Kino- und TV-Filmen bekannte Schauspieler Peter Franke, der 1975 auch in Volker Schlöndorffs Böll-Verfilmung "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" mitwirkte, liest ausgewählte Texte.

Das Podiumsgespräch wird von NDR kultur aufgezeichnet und am 16. Mai ab 20 Uhr, im "Sonntagsstudio" gesendet.

Ralf Schnell, geb. 1943 in Oldenburg, war ab 1981 Professor für Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Universität Hannover, von 1988 bis 1997 an der Keio-Universität Tokyo und ab 1998 an der Universität Siegen, deren Rektor er von 2006 bis September 2009 war.

Tilman Krause, geb. 1959 in Kiel, arbeitete bei der FAZ, dem Tagesspiegel und seit 1998 als leitender Literaturredakteur bei Die Welt. Zudem ist er ein gefragter Moderator, Mitglied zahlreicher Literaturpreis-Jurys und war Gastprofessor am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Tilman Krause lebt in Berlin.

Peter Franke, geb. 1941 in Breslau, wuchs im Rheinland auf. Engagements am Schauspiel Frankfurt, Hamburger Schauspielhaus, Berliner Schillertheater und Thalia Theater, zuletzt am St. Pauli Theater in der "Dreigroschenoper" zusammen mit Ulrich Tukur und Eva Mattes. Zahlreiche Kino- und TV-Filme (u.a. "Schlafes Bruder", "Das Wunder von Bern"), Sprecher von Hörbüchern. Franke lebt in Hamburg.

Stephan Lohr, geb. 1950, arbeitete er als Verlagsredakteur und ist seit 1988 Redakteur beim Norddeutschen Rundfunk, seit 2008 leitet er die Literaturredaktion von NDR Kultur.

Eintritt: 8,- / erm. 6,- Euro

in Kooperation mit NDR kultur

Peter Franke
Foto:Christian Kaiser

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