8/10
Programm

Editorial

Das Wesentliche

"Vergessen Sie nicht zu schreiben, dass jetzt alles neu ist.", sagt der leidgeprüfte Grafiker, der unser Programm in die passende Form bringt und der - wie alle Grafiker - ein Faible für freie Flächen hat. Natürlich hat er Recht. Einmal, dass alles neu ist und dann auch mit den Flächen. Und wir kommen ihm immer mit Text. Viel Text. Vielzuviel Text. Wir haben an uns gearbeitet und nun durfte ich den Tag erleben, an dem der Text zu kurz war. "Der Text ist zu kurz.", sagt Herr Trauttmannsdorf. "Wie? Der Text ist zu kurz? Der kann doch gar nicht kurz genug sein!" "Doch", sagt Herr Trauttmannsdorf, "jetzt ist er zu kurz."

Ich denke an den Mäusesheriff. Ich denke oft an den Mäusesheriff, wenn ich nicht an Higgelti Piggelti Pop denke oder an Mumin oder an Karlsson oder an - ja, auch an die Wilden Kerle. Die alten Wilden Kerle - die ohne Fußball. Wenn etwas kurios ist, fällt mir meist die Literatur unserer Kindertage ein. Das hat schon die Kritik eines sonst ganz duldsamen Professors hervorgerufen: "Sie immer mit Ihrer Kinderbuch-Sozialisation!" Ja, ich immer mit meiner Kinderbuch-Sozialisation und meinen zu kurzen Texten. Mein Geschichtslehrer schrieb für gewöhnlich unter meine Arbeiten: "Gut, aber im Ganzen etwas knapp." Meine Mutter führte das auf angeborene Faulheit zurück. Dabei hatte ich nur haufenweise gute Bücher gelesen, die mit 33 Wörtern auskommen und gelernt, mich auf das Wesentliche zu beschränken.

Das Wesentliche. Das muß man eigentlich in ganz großen Buchstaben schreiben und dann von Ferne ruhig betrachten. Was ist DAS WESENTLICHE? Darüber könnte ich ein ganzes Buch schreiben, mit mehr als 33 Wörtern. Muss es aber nicht. Weil Eliot Weinberger das schon erledigt hat. Prima. Zeit gespart. Muss man nur noch lesen.

Aber das Wesentliche in der Kunst, der Literatur? Das kann man schnell auf den Punkt bringen: Weglassen. Das Wesentliche ist das Weglassen, für die Freiflächen im Kopf. Freiflächen, nicht Leerstellen. Mein Grafiker und ich, wir verstehen uns nämlich.

Aber zurück an die Arbeit! Also: Ich denke an den Mäusesheriff. Warum denke ich an den Mäusesheriff? Weil ich sonst in die Tischkante beißen müsste bei dem Gedanken, alles zum wiederholten Mal zu überarbeiten. Was sagt also der Mäusesheriff als er die gerissenen Telegraphendrähte reparieren will?: "Ich schnitt ein Stück ab und es war immer noch zu kurz." Das sagt doch alles. Manchmal kann man etwas nicht mehr verändern. Man muss es neu machen. "Schluss", sage ich, "wir machen es ganz neu".

Jetzt haben wir eine schöne neue Werbung und einen neuen Namen haben wir auch. Es gibt viele Freiflächen und nur Vorteile. Außer, daß Frau Hagemann und ich jetzt bei unseren seltenen aber um so engagierteren musikalischen Einlagen nicht mehr als Die Büromiezen firmieren können. Leider heißen wir jetzt Die Hauskatzen.

dit

Lesepause - Das neue Programm erscheint Anfang August.

30.07.10 Webdesign & CMS U21 Hannover