Mittwoch, 20.6.2018 / 19.00 Uhr 10,- / 6,-
Lyrikfest Gegenstrophen

Lyrikfest Gegenstrophen 2018 mit Ulrike Almut Sandig, Christian Uetz, José F.A. Oliver, Hannah Schraven & Pascal Bovéé

Musik: Matthias Kaul & Astrid Schmeling
Moderation: Michael Braun, Martin Rector

Ulrike Almut Sandig © Dirk Skiba
José F.A. Oliver © privat
Christian Uetz © Mathias Bothor

Beim Lyrikfest stellen wir - immer auf der Suche nach der poetischen Grammatik unserer Zeit - profilierte Stimmen deutschsprachiger Gegenwartslyrik vor. Wichtig ist uns, wie der Name sagt, bei den Gegenstrophen auch die Wirkung der Sprachmusik. Mit Ulrike Almut Sandig, Christian Uetz und José F.A. Oliver haben wir drei Künstler*innen zu Gast, die dafür stehen!

Ulrike Almut Sandigs Texte werden in der Modulation ihrer Stimme zu akustischen Wortkunstwerken und Klangerlebnissen, bei denen Wortbedeutung und Schriftsinn ins Fließen geraten, ohne sich in Beliebigkeit aufzulösen. Für ihre eigenständige und eigenwillige moderne Stimme, die im Konzert der Gegenwartsdichtung eine herausragende Position einnimmt, hat sie gerade den Wilhelm-Lehmann-Preis 2018 bekommen. Ihr jüngster Gedichtband ich bin ein Feld voller Raps verstecke die Rehe und leuchte wie dreizehn Ölgemälde übereinandergelegt (2016) beeindruckt durch die raffinierte Verschränkung der Themen Natur, Kunst und Politik.

Als philosophischer Poet schreibt Christian Uetz bildgewaltige, selbstverlorene und dabei tief nachdenkliche Lyrik. Was seine Texte hervorbringen, sind Ekstasen der Sinnlichkeit und die Trunkenheit der Vernunft: Es ist der Wahnsinn des Tages. Spielerisch und doch souverän kreisen seine Gedichte um gewichtige Themen, um die Präsenz des Anderen im Selbst, um Anwesenheit und Abwesenheit, um Negativität und Transzendenz. Für sein bisheriges literarisches Gesamtwerk erhielt er 2010 den Bodensee-Literaturpreis. Aktuell erschienen: Engel der Illusion.

Der Schreibnomade José F.A. Oliver ist auf steter Wörterreise. Ägypten, Dubai, Spanien, Slowakei, Schweiz, Niederlande, Litauen und immer wieder zurück zum Ausgangspunkt, in die fremde Heimat Schwarzwald, in den Zwischenraum zweier Sprachen, zum Glauben, in die Kindheitserinnerungen. Und das lyrische Ich notiert als unbestechlicher Fahrtenschreiber die Wahrnehmungsgeschwindigkeit in ihren Schwankungen, die Unhaltbarkeit der Bilder, grenzzerfließende Begegnungen und das Verhältnis von Zeit und Weg. Für seine innovativen Sprachbilder hat er u.a. Basler Lyrikpreis und den Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg bekommen. Neu sind seine Gedichte aus Istanbul und der druckfrische Band Wundgewähr.

Außerdem gibt es zum Lyrikfest zwei experimetelle Installationen: Hannah Schraven zeigt eine Version ihrers Masterprojektes entschuldigung, würdest du bitte eine weile an mir riechen?, und Pascal Bovéé lässt einen goldenen Würfel sprechen: Momentmaschine. Drei automatisch erzeugte Haikus. Beide studieren Kreatives Schreiben an der Uni Hildesheim und proben Lyrik als Verwandlungsprozess und Interaktion.

Ebenso verlockend sind die humorvollen - teils in Uraufführung zu hörenden - Improvisationen und Stücke von Matthias Kaul und Astrid Schmeling, wie Münder für Bassflöte, 2 abkühlende Flaschen, und Tischabfallbehälter, komponiert von Matthias Kaul, mit starkem Unterhaltungswert! Der Komponist und Percussionist erhielt zuletzt den Klassik-Echo für Haltbar gemacht. Zusammen mit der Flötistin Astrid Schmeling bildet er den Kern des renommierten Ensembles L'ART POUR L'ART.

GEGENSTROPHE – BLÄTTER ZUR LYRIK 2018
Zur Veranstaltung erscheint die neunte Ausgabe der Jahresschrift „Gegenstrophe–Blätter zur Lyrik“ im Wehrhahn Verlag Hannover, herausgegeben von Michael Braun, Kathrin Dittmer und Martin Rector, mit neuer Lyrik, mit Portraits zu Nora Gomringer, Marco Grosse, Annette Hagemann, Ulrich Koch und Klaus Merz, aktuellen Essays sowie einer Recherche der Lyrikveröffentlichungen aus 2017/2018. (10,– EURO).