Mittwoch, 6.3.2019 / 19.30 Uhr 12,- / 6,-

Michael Krüger "Vorübergehende"

Moderation: Stephan Lohr

Michael Krüger © Peter Hassiepen

Ein Mann ist im Zug eingeschlafen. Als er aufwacht, lehnt vertrauensvoll ein fremdes Mädchen an ihm: Jara. Sie ist ohne Geld, ohne Papiere, nahezu ohne Sprache. Der Mann, ein erfolgreicher Motivationscoach, hatte sich von der Welt schon abgewendet, besiegt von seinen eigenen Allerweltsweisheiten. Doch jetzt denkt er pathetisch: Das Mädchen kann seine Rettung sein. Ihr ein Zuhause zu geben wird seinem Dasein den ersehnten Sinn verleihen. Also nimmt er Jara bei sich in München auf – womit sein Leben eine entscheidende Wendung nimmt …

Hier trifft einer, der alles hat und doch nur die Leere kennt, auf eine, die gar nichts hat und dennoch an Leben ungleich reicher ist. Diese Konstellation schildert Michael Krüger mit der größten Lust, davon abzuschweifen. Denn wenn sein Erzähler seine Gedankenfahrt aufnimmt, bleibt keiner geschont: nicht die Menschen um ihn herum, nicht die deutschen Landesgenossen, am wenigsten er selbst. Und wie nebenbei zeichnet Krüger das wunderliche Gesicht der Gegenwartsgesellschaft – melancholisch und hochkomisch, resignativ und unverbesserlich hoffend.

 

Michael Krüger, 1943 in Sachsen-Anhalt geboren, lebt in München, leitete viele Jahre die Carl Hanser Literaturverlage und ist zurzeit Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Für sein Verdienst um die Literatur erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz und ist Ehrenbürger der Stadt München. Er schreibt Lyrik, Geschichten, Novellen, Romane und wurde dafür vielfach ausgezeichnet: Peter-Huchel-Preis 1986, Mörike-Preis 2006, Joseph-Breitbach-Preis 2010 u.v.a.

Stephan Lohr, geboren 1950, wurde nach zehn Jahren Verlagstätigkeit Redakteur beim NDR, zuletzt bis 2014 als Leiter der NDR-Kultur- Literaturredaktion. Heute schreibt er Literaturkritiken und wirkt als Programmberater beim Göttinger Literaturherbst.