Donnerstag, 24.5.2018 / 19.30 Uhr 10,- / 6,-

Ralf Rothmann „Der Gott jenes Sommers“

Moderation: Joachim Dicks

Ralf Rothmann © Heike Steinweg / Suhrkamp Verlag

Ein Kind im Krieg: Anfang 1945 muss die zwölfjährige Luisa mit ihrer Mutter und der älteren Schwester aus dem bombardierten Kiel aufs Land fliehen. Das Gut ihres Schwagers Vinzent, eines SS-Offiziers, wird ein unverhoffter Raum der Freiheit: kein Unterricht mehr, und während alliierte Bomber ostwärts fliegen und immer mehr Flüchtlinge eintreffen, streift die Verträumte durch die Wälder und versucht das Leben diesseits der Brände zu verstehen. Wer sind die Gefangenen am Klostersee, wohin ist ihre Schwester Billie plötzlich verschwunden, und von wem bekommt die Perückenmacherin eigentlich die Haare? Und als ihr auf einem Fest zu Vinzents Geburtstag genau das widerfährt, wovor sich alle Frauen in jenen Tagen fürchten, bricht Luisa unter der Last des Unerklärlichen zusammen.

Ralf Rothmanns vorhergehender, in fünfundzwanzig Sprachen übersetzter Roman Im Frühling sterben war ein aufwühlendes Drama am Rande der Schlachtfelder aus der Perspektive zweier Männer. Mit Der Gott jenes Sommers legt Rothmann nun eine ebenso erschütternde Geschichte über das Klima von Verblendung und Denunziation in den letzten Monaten eines Krieges aus der Sicht eines jungen Mädchens vor.

Ralf Rothmann, geb. 1953 in Schleswig, wuchs im Ruhrgebiet auf. Nach der Volksschule machte er eine Maurerlehre und Arbeit auf dem Bau, danach in verschiedenen Berufen: Drucker, Krankenpfleger, Koch u.a. Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche Preise. Sein Roman Junges Licht wurde 2016 mit Charly Hübner, Peter Lohmeyer und Nina Petri verfilmt.

Joachim Dicks, geb. 1966 in Krefeld, studierte Philosophie, Germanistik und italienische Philologie in Köln und Bologna. Anschließend arbeitete er als freier Autor und Journalist für die ARD und das ZDF und ist seit 2003 Redakteur bei NDR Kultur.