Lyrikfest

Poetik und Poesie der Gegenwart

Gedichte sind wie Räume, die man betreten kann - keine verrätselten Dichterbotschaften an die Nachwelt. Daß man beim Betreten dieser Räume durchaus wankenden Boden spüren, ins Rätseln und Ungefähre geraten kann, ist möglich. Doch wer ins Ungefähre gerät, gerät auch ins Offene...

Zehn Jahre lang stellten wir beim Lyrikfest - immer auf der Suche nach der poetischen Grammatik unserer Zeit - profilierte Stimmen deutschsprachiger Gegenwartslyrik in kurzen Werkgesprächen vor. Daneben kamen junge Lyriker*innen zu Wort, die noch am Anfang ihres Schaffens stehen. Vorgestellt wurden die Autorinnen und Autoren von renommierten Lyrikexpert*innen. Ein weiteres Element des Lyrikfestes war Neue Musik, die sich dramaturgisch und inhaltlich auf die Lyrik bezog.

Das erste Lyrikfest haben wir 2008 anläßlich der Verleihung des Hölty Preises der Stadt Hannover an Thomas Rosenlöcher gestaltet. Er hielt eine wunderbare Rede, und wie es seine Art war, sprach er frei: vom Dichten, vom Lesen, von Hölty und dem Leben. Auf einem kleinen Kassenbon, den er zufällig zur Hand hatte, hatte er sich ein paar Stichworte notiert und mit seinem Erzählen alle begeistert. Seit 1996 war Thomas Rosenlöcher immer wieder unser Gast. Auch zum 20. Geburtstag des Literaturhauses war er bei uns und sprach mit Humor und intellektuellem Esprit über die Fährnisse der "Kunstausübung". Sein Gedicht "Die Dresdner Kunstausübung" hatte uns zur Reflexion unseres Literaturhauslebens  – denn eine Literaturhaus lebt von der Litertur und ihren Schöpfer*innen! –  inspiriert. Leider ist Thomas Rosenlöcher am 13. April gestorben. Wir vermissen unseren Dichterfreund sehr.

Seine Rede zum Hölty Preis ist in unserem Lyrikjahrbuch Gegenstrophe, Band I, abgedruckt.

GEGENSTROPHE – BLÄTTER ZUR LYRIK

Zur Veranstaltung erschien jeweils eine Ausgabe der Jahresschrift Gegenstrophe–Blätter zur Lyrik im Wehrhahn Verlag Hannover, herausgegeben von Michael Braun, Kathrin Dittmer und Martin Rector, mit neuer Lyrik, Dichter*innen-Portraits, Essays, sowie einer Recherche der Lyrikveröffentlichungen der Vorjahre. Alle zwei Jahre war zudem ein Dossier zur Vergabe des Hölty Preises für Lyrik Hannover enthalten. 2019 erschien die letzte Ausgabe. Alle Bände sind noch beim Wehrhahn Verlag zu bekommen.

 

Gegenstrophe 10

Mit Gedichten und Beiträgen von von Frieder von Ammon, Michael Braun, Sonja vom Brocke, Kathrin Dittmer, Marit Heuß, Norbert Hummelt, José F. A. Oliver, Martin Rector, Ulrike Almut Sandig, Christian Uetz, Charlotte Warsen und Sebastian Weirauch.

2019, 128 Seiten, Broschur / ISBN 978-3-86525-713-0 / Preis: 10,00 € / Beim Verlag bestellen

Flüsterndes Licht

Marco Grosse, Nora Gomringer, Annette Hagemann, Ulrich Koch & Klaus Merz

Fünf  LyrikerInnen der Gegenwart - ein Gedicht


Das kollektive Gedicht ist in unseren Breiten seit den 1970er Jahren bekannt. Es basiert auf dem Renshi, der modernen Form des japanischen Renga, dem althergebrachten Kettengedicht. Fünf  PoetInnen unserer Zeit haben sich zusammengefunden, um ein solches Kettengedicht zu verfassen. Im Mail-Austausch zwischen Nora Gomringer, Marco Grosse, Annette Hagemann, Ulrich Koch und Klaus Merz ist das vielfältige lyrische Gewebe im Laufe von eineinhalb Jahren zu 90 Strophen angewachsen.

Zum Lyrikfest 2017 entstand dazu der Film, in dem alle Ihre jeweiligen Strophen vortragen.

Gefördert der Stiftung Niedersachen, der VGH Stiftung und der S∙Hannover Stiftung.

Lesung des Kettengedichtes "Flüsterndes Licht". (Auszug) Von und mit Nora Gomringer, Marco Grosse, Annette Hagemann,  Ulrich Koch & Klaus Merz.

von Thomas Preikschat, Musik Philipp Scholz

© Film/Literaturhaus Hannover 2017

© Buch/Flüsterndes Licht. Kettengedicht. Haymon Verlag, Innsbruck, 2017