Dienstag, 19.10.2021 / 19.30 Uhr 12,- / 6,-
Klartext

Lars Distelhorst „Kulturelle Aneignung“

Moderation: Matthias Lorenz, Deborah Fallis

Lars Distelhorst © Die Hoffotografen GmbH

Keine Frage – in Kunst und Kultur und der Entwicklung der Menschheit überhaupt hat es immer Übernahmen und Aneignungen von Techniken, Fertigkeiten, Motiven und dergleichen gegeben: Man lernt voneinander. Doch Kultureller Austausch ist etwas anderes als kulturelle Aneignung. Lars Distelhorst schreibt über einen aktuell so populären wie unzureichend theoretisierten Begriff, der ein bemerkenswertes Affektpotenzial hat: Ob es um Faschingskostüme oder um Dreadlocks geht, um Soulmu-sik oder Yoga – die Diskussion kocht sehr schnell hoch. Der Sozialwissenschaftler veranschaulicht aus der selbstreflektierten Perspektive eines Weißen den Zusammenhang zwischen Mikro- und Makroebene von Kultureller Aneignung. Er setzt sich mit verschiedenen Definitionen des Begriffs auseinander, vor allem mit dem oft unterstellten Zusammenhang mit stereotypen Kulturkonzeptionen, und analysiert drei Dimensionen der Aneignung: kolonialen Kulturraub, ungefragte Repräsentation anderer Kulturen und Konsum von Kultur als Ware. Zudem verknüpft Lars Distelhorst kulturelle Aneignung mit einer kapitalismus- und rassismuskritischen Perspektive und lotet aus, was Antirassismus für weiße Menschen bedeuten kann.

Lars Distelhorst, geb. 1972 in Georgsmarienhütte, studierte Politikwissenschaft und promovierte über Geschlechterpolitik. Er ist Professor für Sozialwissenschaft an der Fachhochschule Clara Hoffbauer in Potsdam und lebt in Berlin. Zuletzt erschienen von ihm Kritik des Postfaktischen. Der Kapitalismus und seine Spätfolgen (2019) und Leistung. Das Endstadium der Ideologie (2014).

Deborah Fallis studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Judaistik und Neuere deutsche Literaturwissenschaft in Berlin und Hannover. Sie bereitet derzeit ihre Promotion vor. Forschungsschwerpunkte sind u.a. postmigrantische Literatur, Intertextualität und Intersektionalität.

Matthias Lorenz ist Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Komparatistik an der Leibniz Universität Hannover und Extraordinary Professor an der Stellenbosch University in Südafrika. Er ist Autor von Monografien zum literarischen Antisemitismus, zur Kunstfreiheit in der Demokratie und zur literarischen Rezeption Joseph Conrads sowie Herausgeber des Lexikons der ‚Vergangenheitsbewältigung‘ in Deutschland.