Kolumne
Wir mögen Bücher und Papier, deswegen gibt es unser Programm auch als Heft. Und in jedem Heft gibt es ein Editorial der Literaturhausleiterin Kathrin Dittmer. Das wollen wir auch online niemandem vorenthalten!
Nütz jo nix
Dass wir im November 30 Jahre alt werden, wollten wir keineswegs geschickt geheim halten. Im Gegenteil: Es gab schon Pläne, den Vereinsgeburtstag zu begehen, denn man soll die Feste feiern wie sie fallen. Derzeit sind Feiern aber immer Hochzeiten oder Beerdigungen. Beides lehnen wir entschieden für uns ab! Wir lieben unsere Unabhängigkeit, auch wenn das Geld manchmal knapp ist und uns keiner den Hammer hält, wenn wir wieder etwas festklopfen. Aber mit dem Hammer die Kiste jetzt zuzunageln, wäre noch absurder, denn eigentlich läuft es ziemlich gut. Nun ja, lief ganz gut, muss man jetzt sagen. Im Moment stockt alles. Leider. Es gibt zwar Leute, die meinen, jetzt müsse sich die eigentliche Kreativität und Originalität der Kultur erst recht zeigen. Denen rate ich, sich an Rumpelstilzchen zu wenden. Uns können die mal im Mondschein begegnen, um nicht plattdeutsch zu werden, wo das heißt: klei mi ann mors. Und nein, das erläutere ich jetzt nicht genauer. Ich sage nur Präsentationskachel.
Also, wo war ich? Es lief so gut, dass wir große Lust hatten, vor der Sause noch eine Schippe drauf zu legen und zu fragen, wo können und wollen wir noch hin? Und nun? Wenn man erst mal in Schwung ist, ist es schwer einzusehen, dass man Pläne aufgeben muss. Aber es hat einfach keinen Zweck, ein Jubiläum auf Eis zu legen. Besser alles ganz neu denken. Also: Da kommt noch was. Jetzt heisst es allerdings erst mal durch die Untiefen der Krise schippern. Dazu gehört, dass leider die beliebte Buchlust ausfallen muss und unser Frühjahrsfestival 20 zu einem Frühsommerfestival 21 wird. Und mit dem 30. Jahrestag, dass lassen wir also auch.
Komisch, in einem Vorwort allerhand abzusagen, statt anzukündigen. Aber nütz jo nix. Und da kann man ja auch mal neue Wege beschreiten: Einfach weg von den runden Zahlen. Wir planen jedenfalls schon jetzt für unsere 33 1/3. Da die LP Renaissance hat, wissen auch Leute unter 50, was das heißt, und irgendwie passt das doch mit der Langspielplatte auch perspektivisch.
Vielleicht ist unsere Stadt dann auf dem Weg zur Kulturhauptstadt. Und da haben Einrichtungen, die Schnapszahlgeburtstage haben, immer drei Wünsche frei. Ich habe mir an dieser Stelle schon so einiges gewünscht: dass wir ins Grote Palais umziehen dürfen, der Schiffgraben geflutet wird, dass keiner mehr sagt, wir wären Vizeweltmeister gewesen oder Papst, auch, dass das Hölty-Denkmal mitsamt dem Nicolai-Friedhof nicht mehr so verkehrsumtost vor sich hin kümmert. Und das hat schon geklappt! Ich habe noch so einen Wunsch: Ich hätte das Ernst-August-Denkmal gerne weg. Der Mann steht ja nun mal für Verfassungsbruch und Rückwärtsgang. Damit man sich weiter unterm Schwanz treffen kann, kann das Pferd ja stehen bleiben.
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Im Buchhandel erhältlich:
Hasenrein eingemiezelt
Kolumnen von Kathrin Dittmer.
Für alle, die wissen wollen, warum das Gehirn die eigentliche Problemzone ist, was Weltanschauungen und Küchenmaschinen gemeinsam haben und ob Molly der Hund tatsächlich Flöte spielen konnte.
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