Kolumne

Wir mögen Bücher und Papier, deswegen gibt es unser Programm auch als Heft. Und in jedem Heft gibt es ein Editorial der Literaturhausleiterin Kathrin Dittmer. Das wollen wir auch online niemandem vorenthalten!

Editorial Juni / Juli 2021

All around the Globe

When I get to the bottom I go back to the top of the slide / Where I stop and I turn and I go for a ride / Till I get to the bottom and I see you again ... yeah, yeah, yeah, yeah, yeah!!! Genau, so beginnt der bekannte Beatles-Song „Helter Skelter“. Auf und ab, holterdipolter. So geht's uns seit Monaten. Aber egal: Wir halten durch. Sie bitte auch!

Es gibt nämlich auch allerhand Ausblicke. Gerade jetzt sind wir im Innenstadtdialog. Dort soll das Kulturdreieck bald und in Zukunft für gute Atmosphäre sorgen. Das Dreieck ist eine räumliche Sache und ergibt sich aus dem Platz um und zwischen Oper, Künstler- und Schauspielhaus. Visionen sind gefragt, aber auch ganz praktische, wenn nicht gar pragmatische Vorschläge und Konzepte. Kunst kann viel. Das schreckt uns also zuletzt. Weil ich wohl aber meine Vision vom Dreieck trotz aller Dialoge wahrscheinlich nie anbringen kann, belästige ich Sie jetzt damit! Sorry. Sie können ja aufhören, hier weiterzulesen.

Also: Ich wünsche mir, dass man, wenn man sich – egal von welcher Seite – dem Kulturdreieck (hoffentlich fällt uns noch ein schönerer Name ein!) nähert, sieht, dass man gleich eine andere Welt betritt. Dafür müssten allerdings ein paar städtebauliche Kleinigkeiten angegangen werden ...

Wir holen das Opernhaus aus der Versenkung und senken dafür ausnahmsweise mal das Niveau, nämlich das Bodenniveau, auf Kosten der Tiefgarage, sodass die Oper wieder erhobenen Daches (All around the Globe!) und erhaben ihre alte Freitreppe auf dem Platz bekommt. Das Pflaster des gesamten Areals wird entfernt: Opernhaus, Künstlerhaus und Schauspiel stehen in einer durchgehenden Rasenfläche, vorzugsweise einer Wildblumenwiese. Eine elegante Hochbrücke (bin selbstlos, da nicht schwindelfrei!) für Fußgänger führt von der Georgstraße oder der Opern-Balustrade durch die Sophienstraße, direkt an den Fenstern des Kunstvereins vorbei (Sneak-View!) und endet vor den Türen des Schauspiels oder aber im Innenhof. Der Schiffgraben (ahoi!) wird geflutet. Da das Schauspielhaus sowieso ein bisschen nach Ozeandampfer aussieht, gibt das ein stimmiges Bild und sorgt zudem für künstlerische Möglichkeiten, bei denen jede Hafencity blass vor Neid wird, und für allgemeine Lärm- und Verkehrsberuhigung. Auf und im Graben darf tagsüber Wassersport, am Ufer auch lauschige Gastronomie betrieben werden.

Zudem ist mir eines wichtig: Sicher ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass ein Raum nach vorne und nach hinten reicht, nach oben und: nach unten! Also soll man sich auch fragen: Was ist unter der Oberfläche? Jedenfalls keine Tiefgarage mehr. Herrlich, oder? Wenn man weit genug denkt, ist da – so ungefähr jedenfalls – Neuseeland inmitten der Tasmanischen See. Das sagt mir was. Wir sind nicht alleine! Was machen die anderen? Es geht – mal intellektuell ausgedrückt – in jeder Hinsicht auch im Kulturdreieck, im Leben und der Kunst, um transitorische Prozesse. Deswegen wollen Julia und ich auch ein Tiny House, ein Tiny Literaturhaus, mit dem wir überall hin rollen können. Alternativ bin ich auch mit einem eigenen Literaturhaus zufrieden, entweder im Palais Grote oder als Neubau Georgstraße, Ecke An der Börse. Dann aber unbedingt in Guglhupf-Form mit Außenrutsche für Kinder. Helter Skelter! Jau. Also ich find's gut.

dit

Im Buchhandel erhältlich:

Hasenrein eingemiezelt
Kolumnen von Kathrin Dittmer.
Für alle, die wissen wollen, warum das Gehirn die eigentliche Problemzone ist, was Weltanschauungen und Küchenmaschinen gemeinsam haben und ob Molly der Hund tatsächlich Flöte spielen konnte.
» zuKlampen